Europa/Niederlande/Reiseziele

Sex, Drugs & Alter Käse: Amsterdam für Anfänger

Amsterdam nennt man auch die Hauptstadt der Toleranz. Vielleicht, weil an jeder Straßenecke eine Marihuanawolke in den Himmel steigt. Vielleicht, weil selbst alter Käse hier als lekker gilt.

Oder vielleicht weil hier jeder nach seiner Facon ein paar schöne Urlaubstage verbringen kann – vorausgesetzt man weiß, worauf man sich einlässt:

Drogen

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Foto: Szilveszter Farkas

„Wo ist mein Bett?“, fragt Ryan. Er steht inmitten unseres 10-Bett-Dorms in Amsterdam und hält seine Jacke umklammert. „Wo ist mein Bett“, fragt er, „und wo ist mein Koffer?“ Ryan ist 19 Jahre alt, den ganzen Weg aus San Diego / Kalifornien angereist und jetzt steht er da wie ein hilfloses Kind und sagt: „Es ist so lustig, die Dinge ergeben einfach keinen Sinn mehr!“

Ryan hat sich am Morgen ein paar Pilze, sogenannte „Magische Trüffel“, reingepfiffen und jetzt braucht er eine Viertelstunde um Türen zu öffnen und Anderthalb um die Straße zu überqueren. Ryan nennt das den besten Tag in seinem Leben. Schließlich liegt er mit weit aufgerissenen Augen auf dem Zimmerboden und schwärmt von Lichtern und satten Farben im Stadtpark.

Ehrlich gesagt wäre es mir lieber, wenn Ryan endlich schlafen würde. Wohl ist mir nicht bei dem Gedanken, mit einem halluzinierenden Halbwüchsigen das Zimmer zu teilen. Seit dem Verbot von „Magic Mushrooms“ in den Niederlanden 2008 sind die „Magischen Trüffel“ in Mode, in Amsterdam bekommt man sie praktisch hinterher geschmissen. In zu hohen Dosen eingenommen oder in Verbindung mit Cannabis oder Alkohol können sie jedoch schwere Wahnvorstellungen oder Panikattacken auslösen. Probleme entstehen meist, wenn sogenannte „Drei-Tage-Touristen“ in kurzer Zeit alles ausprobieren wollen, was zu Hause verboten ist, wie Drogenexperte August de Loor in einem Gespräch mit Radio Netherlands Worldwide (LNW) erklärt: „Komasaufen, Mariuhana im Coffeeshop rauchen und obendrein noch Pilze nehmen- es ist einfach zu viel.“

Ryan hat sein Bett übrigens doch noch gefunden und ist brav schlafen gegangen. Am nächsten Tag ging sein Flug zurück nach Kalifornien – dorthin, wo der 19-jährige nach Gesetz nicht mal ein Glas Bier trinken darf.

Sex

Sie stehen da wie die Flamingos im Zoo: die Hälse gestreckt, das rechte Bein angewinkelt, so starren sie durch die Glasscheiben, die sie von der Außenwelt trennen. Draußen spaziert das Publikum entlang und vergleicht die Schönheit der einzelnen Exemplare.

Prostitution ist legal in den Niederlanden, solange sie sich in geschlossenen Gebäuden und nicht auf der Straße abspielt. Deshalb mieten sich die Prostituierten grell beleuchtete Schaufenster für 150 Euro die Nacht, hinter denen sie auf ihre Kundschaft warten. Das Rotlichtviertel liegt inmitten der Innenstadt, ganz unbeteiligte Menschen flanieren vorbei: Frauen, Familien, Pärchen, Passanten. Manche Männer sind unschwer als Freier zu erkennen: Ihr Schritt ist hektisch, die Gesichtszüge sind angespannt, konzentriert wandert ihr Blick von Schaufenster zu Schaufenster.

Doch hinter den schönen Gesichtern mancher Prostituierten verbergen sich traurige Geschichten: Allein im Jahr 2007 registrierte die niederländische Menschenrechtsorganisation La Strada 639 Menschen, die Opfer von Menschenhandel wurden. Die meisten von ihnen stammen aus Nigeria, Bulgarien oder Rumänien und wurden unter falschen Versprechungen nach Europa gelockt, wo sie nun mit Sexarbeit ihre „Schulden“ bei der Schlepperbande begleichen müssen.

Fahrräder

Foto: Christian Lendl

Foto: Christian Lendl

„Gib mir mein Fahrrad zurück“ sagen die Niederländer, wenn sie schlecht auf einen Deutschen zu sprechen sind. Im zweiten Weltkrieg beschlagnahmte die deutsche Wehrmacht Fahrräder der Bevölkerung und noch heute ist der Satz ein geflügelter Ausdruck.

Tatsächlich ist es in Amsterdam noch immer wahrscheinlicher, von einem Fahrrad überfahren zu werden, als von einem Auto. Kein Wunder: Die kompakte Innenstadt und die vielen engen Straßen machen das Rad zum besten Verkehrsmittel. Zudem plumpst trotz Sicherheitsvorkehrungen immer noch jede Woche ein Auto in eine Amsterdamer Gracht.

Fahrräder können fast an jeder Straßenecke gemietet werden und kosten circa 10 Euro für einen Tag. Der Anbiet Mac Bike zum Beispiel hält Filialen in der ganzen Stadt, meist reicht es aber schon an der Rezeption des Hotels oder der Jugendherberge nachzufragen. 

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Alles lekker

Lekker! Nicht nur der Käse ist lekker in Amsterdam, auch die Partys sind lekker, die Grachten sind lekker – eigentlich ist alles lekker in Amsterdam! Denn lekker bedeutet schön und wird von den Niederländern geradezu inflationär benutzt.

Besonders lekker ist natürlich der berühmte niederländische Käse. Touristen lassen sich grinsend mit wagengroßen Käselaibern ablichten oder wählen in Käsegeschäften wie „De Kaaskammer“ oder „Old Amsterdam Cheese Store“ zwischen Hunderten von Käsesorten. Dabei gilt: je älter der Käser, desto teurer der Preis.

Amsterdam selbst zeigt sich von seiner lekkersten Seite, wenn man sich einfach treiben lässt. Die kleinen Dinge brauchen Zeit und wenn man sich die nimmt, entdeckt man in den Nebenstraßen hier ein kleines Asia-Geschäft, das Seidenkimonos für wenig Geld verkauft, dort ein Schallplattengeschäft, einen Büchermarkt oder ein gemütliches Café mit Sitzkissen statt Stühlen.

Und wenn man die Augen offen hält, ist Amsterdam immer für eine Überraschung gut, zum Beispiel ein Konzert der Amsterdamer Grachtenmusikanten. Einfach lekker!

Info Amsterdam:

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Amsterdam ist die Hauptstadt der Niederlanden und mit 800.000 Einwohnern gleichzeitig die größte Stadt des Landes. 

Den Beinamen „Venedig des Nordens“ verdankt es seiner unzähligen Grachten und Wasserwege, die das Bild der Altstadt prägen.

Wegen des feuchten Untergrunds und der Nähe zum Wasser wurden viele Häuser auf Holz- oder Betonpfählen gebaut – insgesamt soll Amsterdam auf 5 Millionen Pfählen stehen.

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